Altenessen
von Ingo Munz
In Essens Norden, wo die Mutter sanft schon schläft,
Listig sich versteckt ein Ort gar magisch arglos.
Stumm und taub dort feiert’s Menschenwerke schüchtern
Kommunion mit der Welten seltsam Farbenspiel.
Wild und welk das graue G’strüpp heut wuchert freudig
Auf des winz’gen Berges rauen rauen Rücken.
Und mit dumpfem Stolz ein Blickfang sich behauptet,
Der gleich des Menschen G’sicht, peinigend verwittert.
Endlich fällt hinab des Menschen ängstlich Augenblick
In die offne Wunde der sterbensbereiten
Schlote, die noch immer schwer atmen und trotzen
Dem wenig grünen Grün im bunten Einerlei.
Doch dann erblickst und riechst, O Mensch, du das Wunder.
Denn planlos plötzlich wächst aus dem schwarzen Grunde,
Das blaue Blümelein, so wunderbar und mannigfach,
Dass unser Herz vor Glück und Freude lacht und lacht.
Ingo Munz, geboren 1973 in Erlenbach am Main, ist Volksdichter. Er schreibt Theaterstücke, Hörspiele, Gedichte und kurze Prosa. Ingo Munz lebt in Essen.