Denken ohne Gehirn

von Manuel Möller, Saarbrücken

Ein Computerprogramm kann mit einer unendlichen Zahl von Hardware- konfigurationen realisiert werden. Durch das Studium der Schaltkreise auf einem Computerchip kommt man dem Verständnis des ablaufenden Programms aber nicht näher. Es würde schließlich auch niemand die chemische Zusammensetzung der Tinte untersuchen, mit der Shakespeares Stücke geschrieben sind, um ihren Inhalt zu verstehen.

Diese Überlegungen nimmt Jerry Fodor (*1935) als Ausgangsbasis, um seinen Funktionalismus mentaler Repräsen- tationen zu entwickeln, den er in zahlreichen Büchern immer weiter verfeinert hat. Dazu gehören etwa „The Modularity Of Mind“ (1983) und „The Elm and the Expert“ (1994).

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Dichtung und Wahrheit

Der große Linguist Roman Jakobson widmet sich ein seiner glänzenden Studie „Was ist Poesie?“ aus dem Jahre 1934 der Fragwürdigkeit einer Unterscheidung von psychischer Realität und dichterischer Fiktion, wie sie sich angeblich in der Analyse von autobiographischen Werken treffen lässt. Wenigstens diejenige Lesart einer solchen Unterscheidung, die eine Art kausale Hervorbringung der Fiktion durch das vorher Erlebte suggeriert, lehnt Jakobson ganz im Sinne des Strukturalismus kategorisch ab. Genauso gut könnte man das Gegenteil behaupten, doch letztlich bleiben solche „Gleichungen mit zwei Unbekannten“ fruchtlos. Und das Beispiel, mit dem Jakobson seine Meinung in einer Fußnote illustriert, verdient hier in den Vordergrund gerückt zu werden.

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