Das zusammengesetzte Ich

Peter WeissDie Vorstellung, die personale Identität eines Menschen speise sich aus einer Art Seelensubstanz, welche die einzelnen Vorstellungen, Erinnerungen, Gedanken und Wünsche trage und dadurch die Einheit der Person über die Zeit hinweg garantiere, wird in der Philosophie seit Jahrhunderten heftig attackiert. Dem wird die Vorstellung der Person als eines Bündels eben dieser Vorstellungen, Erinnerungen, Gedanken und Wünsche entgegengehalten, dessen Einheit eben genauso weit reicht wie die Summe seiner Bestandteile selbst.

Die sich hieraus ergebenden Idee, dass es sich bei unserem Ich um etwas Zusammengesetztes handelt, ist in der Literatur häufig aufgegriffen und nach verschiedenen Richtungen hin thematisiert worden. So geht Peter Weiss in seiner Erzählung „Das Duell“ (1972) den Konsequenzen nach, die ein solcher Ichbegriff für die Aufgabe einer Sorge um sich selbst hat, welche die Augen vor den Verstrickungen mit der vielfältig zersplitterten Vergangenheit, die ein einfaches Fortsetzen des Bisherigen verbieten, nicht verschließt:

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